| Wenn auch für sonst nichts Zeit bleibt, Isfahan sollte man unbedingt gesehen haben. Am besten gleich mehrere Tage einplanen, denn diese Stadt und ihre BewohnerInnen werden einen/eine nicht so schnell loslassen – die Hälfte der Welt braucht eben seine Zeit. Dreh- und Angelpunkt ist der Naqsch-e Dschahān-Platz, der beides in einem vereint – imperialen Prunk und iranischen Gemeinschaftssinn.
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Das Amir Kabir Hotel ist bis dato so ziemlich die einzige Anlaufstelle für Backpacker in der Stadt. Es war also unser erstes Ziel in Isfahan. Um den Preis gibt es in anderen Städten wesentlich bessere Unterkünfte, aber eben nicht in Isfahan. Zimmer und Hotel sind in Ordnung, es störte nur ziemlich, dass die Toiletten und Bäder etwas entfernt unserer Zimmer lagen und gerade als Frau ist es dann nicht möglich, mal eben auf die Toilette zu huschen und man muss in die ganze Kluft samt Kopftuch. Und wehe man vergisst mal das Kopftuch auf dem Weg zur Toilette – vor allem arabische Hotelgäste werfen einem dann von dem Gastgarten hinauf zu den Gängen der Zimmern Blicke zu, die man lieber nicht auf sich ziehen will. Was das Amir Kabir aber wirklich ausmacht, und als DIE Backpackerstation in Isfahan ist das wohl auch nicht so schwer, sind die interessanten Menschen, auf die man hier trifft. Es ist kaum zu glauben, aber Iran hat sich ja noch nicht wirklich zum massenwirksamen Reiseziel entwickelt. ;) Die Dichte an Menschen, die wirklich was zu erzählen haben, ist vielleicht auch deswegen höher als sonst wo. Dazu kommt, dass man Iran gut über den Landweg erreichen kann von Europa aus. Wir haben hier jedenfalls interessante Reisende mit Motor- oder Fahrrad kennengelernt, die ihre Reiseerlebnisse in Iran zum Besten gaben. Man braucht eigentlich nur im Gastgarten lange genug beim Frühstück zu sitzen und früher oder später findet sich bestimmt einer/eine, mit dem/der man gerne noch eine Tasse Tee trinkt.
Aber genug von Hotelsachen und Reisealltag hin zu der unfassbaren Schönheit dieser Stadt. Mit Sara an unserer Seite ging es gleich am Abend des ersten Tages in Isfahan zum Naqsch-e Dschahān-Platz, der vom Amir Kabir gut zu Fuß erreichbar ist. Und was soll ich sagen, der Platz ist einfach atemberaubend und ich glaube, die Bilder sprechen für mich, wenn ich das behaupte. Der zweitgrößte Platz der Welt ist eben mehr als nur groß.
Die Sonne steht bereits sehr tief, als wir den Platz erreichen und die doppelstöckigen Arkaden erstrahlen im letzten Tageslicht. Untergebracht in den zahlreichen Arkaden, die den gesamten Platz säumen sind zahlreiche Keram-, Teppich-, oder Schmuckläden.
Hier rund um den Platz lassen sich die schönsten Souvenirs von ganz Iran finden und wir haben es etwas bereut nicht eine Kleinigkeit von hier mitgenommen zu haben, denn in Teheran war die Auswahl an Souvenirs entgegen unseren Erwartungen mickrig.
Aber das interessierte uns am ersten Abend so und so wenig. Gemeinsam mit Sara wollten wir einfach die Architektur auf uns wirken lassen. Offiziell hieß der Platz nunmehr Meydan-e Imam. Zu Ehren des Revolutions-führers Khomeni wurde er umbenannt. Aber ich halte es lieber mit den IranerInnen, bei denen sich bis heute dieser Name nicht durchgesetzt hat.
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Unter Shah Abbas I. im frühen 17. Jahrhundert wurde der Platz errichtet und seit ein paar Jahren wurden glücklicherweise alle Autos vom Platz verbannt und das einzige Gefährt, auf das man hier trifft, sind die zahlreichen Pferdekutschen, die den Platz umrunden. Wenn man IranerInnen kennenlernen möchte, ist der Platz eine naheliegende Anlaufstelle. Gerade dann, wenn die glühend heiße Sonne untergegangen ist, befinden sich nicht nur die blöden schwitzenden Touristen/Touristinnen auf dem Platz, sondern auch die StadtbewohnerInnen selbst. Dann wird gepicknickt, man kommt ins Gespräch und lernt sich kennen. Am ersten Abend ergab sich die Bekanntschaft mit einem jungen Teppichverkäufer – zugegeben, er hat natürlich versucht uns seine Teppiche schmackhaft zu machen, aber es war wirklich nett auch auf Deutsch zu plaudern. Er konnte gleich fünf Sprachen auf höchstem Niveau und wir hätten schwören können, dass er mehrere Jahre in Deutschland gelebt hat, aber das war nicht der Fall.
Während unserer paar Tage in Isfahan waren wir immer wieder einmal zum Platz vorbeigekommen und meistens trafen wir dann auch wieder auf diesen Teppichverkäufer. Einmal war unsere mitreisende Freundin dann alleine bei ihm und während entspannt Tee getrunken und geraucht wurde, kam plötzlich die ominöse Sittenpolizei vorbei. Der sonst so lockere Teppichverkäufer war angespannt und bat unsere Freundin sich das Kopftuch streng nach vorne zu ziehen und zwar schnell – und ja nicht hinsehen zu ihnen, nur keine Aufmerksamkeit erregen, bis der Spuck vorbei war. Wir hätten diese Sittenpolizei mitunter gar nicht erkannt, denn die Frauen trugen ganz gewöhnliche Tschadors und nur die Männer hatten eigene Uniformen. Vielleicht wären sie uns auch gar nicht aufgefallen bei all dem Trubel und den ganzen Leuten, die immer unterwegs sind. Aber die IranerInnen waren im Gegensatz zu uns immer wachsam und waren die SittenwächterInnen wieder auf Patrouille, dann verbreitete sich das sofort wie ein Lauffeuer unter den StadtbewohnerInnen, um schnell alles zu vermeiden, womit man unangenehm auffallen könnte. Das Katz- und Mausspiel gehört zum alltäglichen Leben der IranerInnen. Doch sie lassen sich im Wesentlichen nicht davon beeindrucken und die Freude und Gelassenheit ist sofort wieder da, sobald die Kontrolleure/Kontrolleurinnen wieder verschwunden sind.
Die Sheikh Lotfollah Moschee gilt als eine der schönsten Moscheen in ganz Iran und das, obwohl nicht einmal ein Minarett oder ein großer Hof diese Moschee ziert. Was diese Moschee so besonders macht, ist ihre mächtige Kuppel, die im Innenraum ihre ganze Pracht entfaltet. Neben dem Palast von Shah Abbas I. und der Königsmoschee ist die Sheikh Lotfollah Mosche die Dritte im Bunde am Platz und der Besuch lohnt sich. Die Fliesenmosaike ergeben in höchster Detailgenauigkeit ein harmonisches Ganzes und wenn man Glück hat und nicht gerade eine große Reisegruppe nach der anderen hereinströmt, dann hat man die ganze Pracht Persiens zusammengefasst in einer Kuppel ganz für sich. Bei der alles dominierenden Farbe Blau der vielen Kuppeln Irans, übersieht man vielleicht auf den ersten Blick, dass der Grundton der Sheikh Lotfollah Moschee nicht Blau, sondern Ocker ist und das ist kein Zufall. Als Privatmoschee des Schahs brauchte die Moschee zu einem kein Minarett und zum anderen wurde die Farbe Ocker als Farbe, die Frauen vorbehalten war, gewählt, weil vor allem Frauen der Familie des Schahs die Moschee besuchten.
Wir merkten, dass wir etliche Zeit in der Sheikh Lotfollah Moschee verbracht hatten daran, dass sich der Tag schon wieder dem Ende neigte, als wir herauskamen. Also ging es noch schnell zur Königsmoschee, bevor keine Zeit mehr blieb, um sie noch zu besuchen. Im Kontrast zur Sheikh Lotfollah Moschee zierten die Masdjid-e Imam-Moschee gleich vier Minarette und schon der Eingangs-Iwan ist gewaltig. Dieser erste Iwan reiht sich in die viereckige Umbauung des Platzes, während die Vier-Iwan-Moschee selbst versetzt gebaut wurde, um die Ausrichtung nach Mekka zu garantieren. Zur Zeit umgibt die schöne Kuppel der Königsmoschee leider ein Gerüst, das wohl noch länger dort stehen wird. Und auch im Hof der Moschee waren große Planen angebracht worden, um die Betenden vor der Sonne zu schützen. Das nahm leider viel von der Ästhetik des Innenhofes und der Moschee. Aber es war auch kein Grund Trübsal zu blasen, besonders dann nicht, wenn im nächsten Moment schon ein kleiner Bub vor der nächsten Ecke hervorsprang, um in hohen Tönen und mit strahlendem Gesicht uns zuzurufen: „Welcome in Iran“. Und willkommen fühlten wir uns in der Tat in diesem Land, das uns so viel Freundlichkeit entgegenbrachte und wo auch jede Moschee für Nicht-Muslime offen war. „Welcome in/to Iran“ – diese Worte hört man ständig und wenn das Englisch oft nicht dafür reicht, dann hört man auch schnell einmal „I love you“ stattdessen.
Wir konnten uns auch nach dem Besuch der Königsmoschee noch nicht vom Platz trennen und blieben den Abend über noch dort. Und mit dem Augenblick als die Sonne verschwunden war, strömten die BewohnerInnen mit Teppich und Essen im Gepäck herein. Der Platz war schon etwas ganz besonders, nicht so wie man es von anderen verstaubten imperialen Plätzen gewohnt war: gepflegt, aber menschenleer. Nein, dieser Platz wurde von den BewohnerInnen Isfahans wirklich angenommen und genutzt. Hier wurde gegessen, gelacht, gespielt und auch deswegen ist es einer der schönsten Plätze der Welt und für mich bis dato der schönste fern ab von jeder Konkurrenz. Manchmal bereuten wir es, nicht besser Farsi sprechen zu können, denn auch wenn viele IranerInnen sehr gutes Englisch sprachen, konnte man bei vielen mit Englisch eben auch nicht weiter. Die Familie, die uns an diesem Abend spontan eingeladen hatte bei ihnen auf ihrem Teppich Platz zu nehmen und von ihrem hervorragenden Olivensalat zu essen, bat dann oft andere IranerInnen für sie zu übersetzen. Die Kommunikation war etwas eingeschränkt, aber nicht weniger herzlich deswegen. Bei Mehdi war die Kommunikation kein Problem, er redete in einer Tour und war nicht nur versiert in Englisch, sondern prälierte mit einer gehörigen Portion Humor obendrein. Kein Wunder also, dass sich der junge Kerl um die 30 hervorragend mit den Touristen/Touristinnen verstand. Die Freundschaften rund um den Globus hatten ihm dann auch eine Reise nach Moskau ermöglicht. Mit dem Zug war er dann unterwegs dorthin gewesen und wurde während seiner ersten Reise außerhalb Irans gleich einmal mit den Bildern westlicher Leute über IranerInnen konfrontiert. Eine Bekanntschaft im Zug schreckte nämlich gleich gehörig zusammen, als Mehdi sagte, er sei aus dem Iran. Der Mann wurde richtig nervös und versuchte Mehdi auszuweichen und Mehdi selbst verstand die Welt nicht mehr. Glaubte der denn wirklich, als Iraner würde er gleich den ganzen Zug in die Luft sprengen? Musste er, nur weil er aus dem Iran kam, gleich ein Fundamentalist oder Terrorist sein? Das war lächerlich und traurig zugleich. Wir entschieden uns an dem Abend darüber zu lachen. Während wir auf diesem wunderschönen Platz entspannt mit neuen Bekanntschaften plauderten, konnten wir nur schmunzeln darüber, dass andere Menschen weit weg von diesem Land glaubten, hier könne man das Einmaleins für SelbstmordattentäterInnen kaufen wie die Keramik-Souvenirs in den Läden rings um uns.
Was uns jetzt noch fehlte, war der Ali-Qapu-Palast gegenüber der Sheikh Lotfollah Moschee. Erst einmal auf der Veranda des Palastes angelangt, hat man einen herrlichen Blick auf den Platz und auf die Königsmoschee. Damals konnte der Schah von hieraus die Veranstaltungen am Platz beobachten, zu denen auch Polo-Spiele gehörten.
Aber das eigentliche Highlight, welches BesucherInnen in den Palast lockt, ist das sogenannte Musikzimmer im fünften Stock. Genannt wird der Saal so aufgrund der Gipsnischen und ihren vielen Freiräumen, die für einen guten akustischen Klang sorgen.
Ach ja, das Stativ habe ich umsonst geschleppt, denn es ist leider nicht erlaubt mit Stativ im Inneren des Palastes zu fotografieren. Leider war auch die Veranda des Palastes teilweise eingerüstet, aber das fiel sichtlich weniger ins Gewicht als bei der Königsmoschee. | |
In Isfahan gibt es etliche Gärten und Parks, in denen sich die Zeit verbringen lässt. Viele gehen zurück auf die safawidische Zeit, so auch der Nachtigallen-Park, in dessen Mitte sich der Kakh-e Hasht Behest Pavillon, also der Acht-Paradies-Palast, befindet. Der Park liegt nicht weit weg vom Naqsch-e Dschahān-Platz. So offen wie der Pavillon gestalten wurde, lässt sich auch viel von der Kunst in seinem Inneren erkennen, wenn man von außen hineinblickt und sich so den Eintritt sparen möchte. Wir kommen dann auch an der Abbasi-Karawanserei vorbei, die heute zu einem luxuriösen Hotel umgewandelt worden ist. Von der alten Architektur der Karawanserei lässt sich trotzdem noch viel erkennen. Die Schönheit der alten Karawanserei erkennt man erst, wenn man in den Innenhof des Hotels gelangt ist und das ist gar kein Problem. Zumindest ein Teil des Innenhofes steht auch für BesucherInnen, die nicht hier schlafen, jederzeit offen. In einem traditionellen Teehaus lässt sich hier auch Tee genießen.
Die Basare in Iran sind sehenswert und vor allem riesig. Der Eingang zum großen Basar in Isfahan lässt sich mit dem Eingangsportal am Naqsch-e Dschahān-Platz gegenüber der Königsmoschee noch leicht finden, aber dann beginnt die große Verwirrung. Die Ausmaße des Basars sind kaum zu fassen. Immer größer ist er geworden und reicht heute schließlich sogar bis zur alten Freitagsmoschee, die immerhin 1,5 km vom Naqsch-e Dschahān-Platz entfernt ist.
Einheimische helfen gerne weiter, wenn man sich vollends verirrt hat und einfach nur noch raus möchte. Dabei ist es aber ratsam nicht gerade auf die zuhören, die nach kurzer Zeit schon von ihrem Teppichgeschäft erzählen. In Isfahan gibt es eine besonders schöne Auswahl an Kunsthandwerken und der Teil des Basars mit Gewürzen wirkt natürlich auch immer besonders verlockend. | |
Aber es ist auch schön der Hauptader des Basars zu entfliehen und sich auf Entdeckungstouren in die kleinen Seitengassen zu begeben. Von traditionellen Imbissbuden mit hervorragenden vegetarischen Sandwichs bis zu kleinen Innenhöfen gibt es viel zu entdecken. Das Schöne an den Basaren im Iran ist, dass sich hier nicht vor allem Touristen/Touristinnen tummeln, sondern die IranerInnen in den Basaren immer noch ihre Einkäufe von A bis Z erledigen. Demnach gibt es neben dem Kunsthandwerk auch weniger dekorative Teile des Basars, wo beispielsweise Haushaltsgeräte verkauft werden. Immer wieder bekommen wir auch einen Einblick in größere Räume innerhalb des Basares, wo die wertvollen Perserteppiche übereinander gestapelt liegen und so wie sie da liegen, könnte man glatt vergessen, welches Vermögen sie auch im Iran kosten.
Uns war beim Besuch des Basars dann noch wichtig das Malek Timche zu finden und mit etwas Hilfe der IranerInnen gelang uns das dann auch. Wie schon in Kashan sind die Timches einfach die Schmuckkästchen des Basars. Über die Kuppel fließt Licht herein, welches die schönen Verzierungen in dem hohen Raum richtig zur Geltung bringen.
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Relativ früh am Morgen machten wir uns auf zur Jame-Moschee, die ein Stückchen entfernt von unserem Hotel lag, aber trotzdem gut zu Fuß erreichbar war. Wir wollten unbedingt früh weg, um vor Ort noch genügend Zeit zu haben, denn um mittags wird die Moschee für BesucherInnen wieder geschlossen. Als wir dann vor den Toren der Moschee noch warteten, bis aufgesperrt wurde, staunten wir nicht schlecht, als plötzlich aus dem Nirgends vor uns einer Rolltreppe eine ganze Reisegruppe entschlüpfte und sich lauthals in den verschiedensten Dialekten Österreichs unterhielt. Damit hatten wir nun nicht gerechnet, aber während unserer ganzen Reise konnten wir immer wieder beobachten, dass Iran stark im Kommen war auch bei pauschalen Gruppenreisen. Die Moschee selbst ist eine Zeitreise durch die iranische Baugeschichte. Und auch wenn die Moschee zwischenzeitlich einem Brand zu Opfer gefallen war, lassen sich hier seldschukische, sassanidische oder safawidische Bauelemente der Moschee entdecken.
Gewöhnlich mieden wir Taxifahrten, aber ein Fußmarsch in das armenische Viertel von der Jame Moschee aus, wäre wirklich zu zeitaufwendig gewesen. Und verpassen wollten wir das Stadtviertel Djolfa auf keinen Fall. Dieser Stadtteil hieß deswegen nach der Ortschaft an der heutigen Grenze Irans zu Azarbaidjan, weil von dort unter dem safawidischen Reich KunsthandwerkerInnen nach Isfahan geholt wurden. Frisch zugezogen waren die ArmenierInnen zunächst arm, aber das änderte sich bald damit, dass sie als Nicht-Muslime Wein produzierten und den dann in der ganzen Stadt verkauften. Damals trank auch die muslimische Bevölkerung Wein und hier sei nur kurz erwähnt, dass vor allem die iranische Stadt Shiraz für seinen guten Wein bekannt war. Heute ist Djolfa jedenfalls einer der reichsten Stadtteile Isfahans und das merken wir auch gleich, als wir durch die Gassen schlendern. Teure Mode wird hier verkauft, moderne Fast-Food Ketten gibt es hier und abends gehen hier die jungen Leute Isfahans fort. Alles wirkt etwas reicher und schmucker als in dem Isfahan, welches wir bis dahin kennenlernen durften. Und auch wenn der Naqsch-e Dschahān-Platz für sich natürlich prunkvoll ist, darf das nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Stadtteil rund um diesen Platz eigentlich sehr arm ist für Isfahans Verhältnisse.
Aber auch Djolfa hat seine Schattenseiten. Weil armenische Frauen bei der Heirat nicht mehr Jungfrau sein mussten, so wie die Iranerinnen, kamen viele Iraner hierher um sich mit Armenierinnen zu vergnügen. Das passte den Armeniern wiederum gar nicht und es gab häufig Streit, der nicht selten eskalierte. Die Armenier vertraten den Standpunkt, dass die Iraner gefälligst „ihre“ Frauen in Ruhe lassen sollten und wollten den Iranern den Zutritt zu ihrem Stadtviertel verweigern. Die Iraner wollten sich dieses Zutrittsverbot aber nicht bieten lassen und spielten die „Ihr-seid-fremd-in-unserem-Land“-Karte aus. Alles in allem also eine verzwickte Lage, von der wir am Tag beim Besuch der christlichen Vank-Kathedrale gar nichts mitbekamen. Es gab auch noch andere Kirchen in Isfahan und generell traf man in ganz Iran immer wieder auf Christliches, aber die Vank-Kathedrale ist wohl die bekannteste Sehenswürdigkeit der christlichen Gemeinde in Iran. Die freie Glaubensausübung anderer Religionen und die Sonderrechte für christliche Gemeinden, die auch das Recht auf Alkoholgenuss inkludierten, stehen nicht im Widerspruch zum islamischen Staat Iran. Auch die Vank-Kathedrale wurde wie so vieles in Isfahan unter Shah Abbas I. gegründet. Von außen ließe sich schnell übersehen, dass es sich um eine Kirche handelt, weil die Bauformen der Kirche stark an einen islamischen Baustil erinnern. Ganz klassisch christlich, wenn auch orthodox und so wieder etwas fremd für uns, sind dann die Innenwände der Kathedrale, die von Fresken geschmückt werden, die Geschichten des Alten und Neuen Testaments zeigen.
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